Schwarzdenker

Hier versammeln sich weiterführende Informationen zum Buch: 

Anmerkungen                                              FAQ (Leserfragen)                                                         Outtakes

Anmerkungen

Zu jedem guten Buch sollte es Kommentare, Einordnungen und Ergänzungen geben. 

Depressiver Realismus

Der Titel des Buches, "Schwarzdenker",  entspricht in seiner Art der akutellen Mode und würde mich persönlich im Laden nach dem Buch greifen lassen.

Dennoch ist er mit einer gewissen Ironie zu verstehen, denn eigentlich ist der Protagonist kein Schwarzdenker. Im Gegenteil; Sebastian ist im Grunde ein unverbesserlicher Optimist nahe an der Naivität. Was er "schwarz" sieht, also negativer als es angeblich der Realität entspricht, ist bei genauerem Hinsehen real. 

Seine Überzeugung etwa, wertlos zu sein, basiert auf philosophischen Überlegungen, die ihn zum Nihilismus geführt haben. Der Glaube der Menschen daran, per se, einfach aufgrund ihres Menschseins wertvoll zu sein, liegt auch nach meiner Ansicht in einer "gesunden" Selbstüberschätzung. 

Was sagt die Forschung?

Generell steht außer Frage, dass Menschen sich selbst überschätzen, was ihre Fähigkeiten, ihre Schönheit, ihre Beliebtheit etc. betrifft. 

Depressive sehen sich tatsächlich etwas realistischer - aber immer noch zu positiv. Ihre Selbstüberschätzung ist lediglich weniger stark ausgeprägt. Details dazu in der Meta-Analyse von Moore & Fresco (2012): 

DOI: 10.1016/j.cpr.2012.05.004 

 

Hochsensibilität

Segen oder Fluch?

Narzissmus & Borderline

Zwei Seiten einer Medaille. 

FAQ

Was ich gerne wissen würde. Hoffentlich bald ergänzt durch wahre Leserfragen.

Welche Diagnosen hat Sebastian denn nun?

Bedient euch nach Belieben an der Fülle der Möglichkeiten: 

  • rezidivierende Depression (unstrittig)
  • Borderline 
    (Verlegenheitsdiagnose; ich erspare euch die exakte Formulierung von F60.31)
  • Narzisstische Persönlichkeits-akzentuierung (als er noch jung war)
  • Bipolar II
  • hochfunktionaler Autismus
  • ADHS

 

Und Julia?

Julia würde steif und fest behaupten, durch und durch gesund zu sein. Zumindest aus alten Arztbriefen können wir ihr dennoch folgendes anhängen:

  • rezidivierende Depression
  • Narzisstische Persönlichkeits-akzentuierung
  • Borderline (als sie noch jung war)

Was davon ist wahr?

Wieviel ich davon preisgebe, muss ich mir noch gut überlegen.

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Outtakes & Teasers

Einiges, das nicht reingepasst hat, aber mögilcherweise trotzdem lesenswert ist. 

Nutella-Familie

Sonntagmorgen. Sebastians Blick fiel auf Maja, die allein am Küchentisch saß, ihr Honigbrot aß und in einem Werbeprospekt blätterte. Die Diskrepanz zu dem Idealbild einer Familie, die am Wochenende gemeinsam am reich gedeckten Frühstückstisch saß, verursachte ihm ein enorm schlechtes Gewissen. Er setzte sich zu ihr und zwang ein Nutellabrot herunter. Keine Semmeln da, nicht wie in der Werbung. 

Maja sorgte für die Konversation: „Papa, haben wir eigentlich ein Zelt? Wie sieht das aus? Können wir das mal aufbauen? Können wir mal darin schlafen? Warum magst du lieber Nutella als Honig – bäh, da sieht ekelhaft aus! Was machen wir heute? Papa, du darfst nicht mit Jacke am Tisch sitzen, das darf ich auch nicht! Darf ich die Maus schauen? Wann darf ich bei Madeleine klingeln? Gibt‘s heute Hot Dogs?“ –„Ja. Blau. Im Sommer. Ja. Einfach so. Nichts besonderes. Stimmt. Nein. Um halb zehn. Nein.“ 

Maja war gut drauf, so dass die Neins ausnahmsweise nicht mit einem Streit endeten. Sebastian aß und wippte dabei unentwegt mit dem Bein. Das Brot fiel ihm aus der Hand, es landete mit der bestrichenen Seite nach unten auf dem Teller. Sie lachten. Bald war er fertig. Maja noch lange nicht. Die Fragestunde ging weiter. 

„Ich muss mal auf die Toilette“, sagte er schließlich, stand auf und ließ seine Tochter dann doch allein dasitzen und begann, die Spülmaschine auszuräumen. Nachdem die Fächer geleert waren, schaltete er die Kaffeemaschine an. Als eine Tasse schaumigem Cappuccino fertig war, spürte er die Erschöpfung. Frühstück fürs Kind herrichten, Kommunizieren, den Abwasch zur Hälfte erledigt – sein schlechtes Gewissen beschimpfte ihm und ließ ihn sich ordentlich schämen dafür, dass er nach einem winzigen Haufen Kleinigkeiten schon wieder fertig war. Wie bei den meisten Erkrankungen verlangte sein Körper nach Ruhe und Erholung. Akzeptanz, sagte er sich und beschloss, das Einräumen der Stapel Geschirr zu verschieben. Er ging eine rauchen und legte sich anschließend mit einem Buch auf die Couch. 

Miesmach-Filter

Es war ein lauer Sommerabend. Die warme Luft stricht sanft über Sebastians nackte Arme und versetzte die Härchen der Haut in angenehmes leichtes Heben und Senken. Das hohe Zirpen der Grillen flirrte über den Feldern; das bedächtige Knattern eines Traktors, ein bisschen Vogelgezwitscher aus den Hecken gesellte sich dazu. Ansonsten war es still. Die Sonne stand groß und tief hinter den Hügeln der Umgebung und die Mohnblumen malten rote Tupfer auf den flächigen goldenen Getreidefeldern. Hinter den gefilterten Gläsern der Sonnenbrille wirkte die Landschaft wie ein farbintensives Gemälde. 

Das war kein YouTube-Schönmachfilter, sondern ein Miesmach-Filter, durch den er das Leben wahrnahm. Er musste seine Knochen regelrecht den Weg entlang zerren, so unwillig waren sie. Seine Willenskraft leisteten harte Arbeit, sie dennoch in Bewegung zu halten. Vielleicht hatte Gott ja eine sadistische Ader. Vielleicht hatte er zu seiner Belustigung ein paar zartbesaitete Seelchen in die Welt gesetzt, um mit offener, neugieriger, nichtwertender Haltung zu beobachten, wie sie an seiner Schöpfung zugrunde gingen. 

Immer noch der kleine Junge

Glücklicherweise war die Hecke um Michis und Sonjas Garten inzwischen hoch genug und nahm ihm die ewige Grübelei darüber ab, ob die Nachbarn das freundliche Grüßen in den Garten hinein oder das Wahren ihrer Privatsphäre durch stures Geradeausblicken mehr schätzen würden. 

Für Menschen wie Sebastian, die ihr Leben danach ausrichteten, keine bösen Gedanken, geschweige denn Worte, bei den Mitmenschen zu erwecken, war die Welt ein einziges Minenfeld. 

Natürlich hatte dieses Bedürfnis seinen Ursprung bei seinen überkritischen Eltern, und er sollte sich längst davon befreit haben. Er hatte die Gründe seiner Angst vor Abwertung kognitiv durchschaut und alternative Glaubenssätze erarbeitet, er hatte wiederholte Verhaltensexperimente zum Umlernen durchgeführt, und trotzdem wirkte er wie ein verschüchterter kleiner Junge, als er mit hochgezogenen Schultern und gesenktem Kopf am Nachbarszaun vorbeihuschte. 

Dass unseren Gefühlen unser Wollen und unser Verstand herzlich egal waren, sagte ihm die Yoga-YouTuberin jeden Tag. Wenn das ginge, sagte sie, würden wir ja alle immer genau das fühlen können, was wir wollen – aber wie oft hat das schon funktioniert, stellte sie abschließend die rhetorische Frage. 

Die Therapeuten der kognitiven Verhaltenstherapie behaupteten etwas anderes, und falls das wirklich möglich sein sollte, so nahm Sebastian natürlich gerne jede Schuld auf sich, dass er es nicht hinbekam. Die Behavioristen unter den Verhaltenstherapeuten setzten auf Lernen durch Erfahrung, und er hatte geübt, sich immer wieder konfrontiert, fünfzig, hundert Situationen vielleicht.

Was war diese Anzahl schon gegen 18 Jahre mal 365 Tage mal, sagen wir 10 Anschisse pro Tag? Vielleicht hatten andere Menschen Gehirne, denen damit die Extinktion samt Neuerlernung gelang – Sebastians gehörte jedenfalls nicht dazu. 

Der Sinn der Kindheit ist es, die Funktionsweise unserer Umgebung zu verinnerlichen. War eine Programmierung grundlegende fehlerhaft, half in der Regel nur ein kompletter Neuaufbau. Vielleicht würden 18 Jahre bei Ersatzeltern helfen, dachte er zynisch und stellte sein aktuelles Vorhaben, zwei Jahre in der Beziehung zum Therapeuten sein Menschenbild zu verändern, ernsthaft in Frage. 

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